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Logbuch der Anthana << aktueller Logbucheintrag


31.08.2007 
Lat 43° 20,0' N      Lon 003° 01,0' W
Hafentag in Bilbao Getxo
Wieder ausschlafen, Steffi und Thomas packen langsam ihre Sachen - die Meilenbücher umfassen nun 1132 sm mehr für den Überführungstörn von Kiel bis Bilbao.

Für den Skipper stehen nun organisatorische Vorbereitungen für den nächsten Törn, die Reinigung der Yacht auf dem Programm - nebst Eigenpflege ...

Abends nochmal auf zur schönen Ecke in der Altstadt von Getxo mit der super-leckeren Tapas-Bar mit Pulpo a la Gallega, Mejojones (Tigres), Patatas bravas, Jamon serano, Rioja, ...


30.08.2007 
Lat 43° 20,0' N      Lon 003° 01,0' W
Bilbao erreicht, das Ende vom Überführungstörn I
Die Ankunft heute um 0500 in Bilbao haben wir ja schon mit dem gestrigen Logbucheintrag vorweg genommen, bleibt noch zu erwähnen, dass der Wind ab Mitternacht immer mehr abnahm - auf nördliche Winde mit 2-3, die meiste Zeit sogar nur 2 Beaufort. Lange Zeit kreuzen wir mit wesentlich geringerer Fahrt, als bislang gewohnt, in der hohen Dünung mit raumen Kurs unserem Ziel entgegen.

Irgendwann reichte es uns und wir starteten den Achterspi auf den letzten Meilen bis Bilbao.

Nach dem Ausschlafen bis Mittags, dem lecker Frühstück, Thomas war schon einkaufen, gehen wir in eines der nahe gelegenen Restaurants, trinken einen spanischen Wein und lassen es uns gut gehen. Der Skipper will sich abends mit seinem Freund Karsten, der mit seiner Familie alles in Laredo organisiert hatte, treffen. Klaus und Olli erfahren, dass ihre Freunde gerade in Bilao statt in Laredo sind und lassen sich gleich noch abends mitnehmen.

Steffi und Thomas II verpflegen sich aus Bordmitteln während der Skipper sich von Karsten in nahe gelegene Tapas-Bars führen lässt.


29.08.2007 
Lat 43° 52,755' N      Lon 003° 08,738' W
Sturm beim Biskaya-Segeltörn
Nach Mitternacht nahm der Wind erstmal auf 4-5 ab und dann mit aufziehenden Gewittern ab 0200 wieder auf kontinuierlich 6 Bft zuzunehmen. Die Gewitter laufen zum Glück vor uns weg und wir segeln immer noch auf raumen Kurs mit Reff 2 im Groß und der vollen Genua - dabei kommen wir nach wie vor gut voran und haben um 0800 nach 24 Stunden ein Etmal von 193 sm (!!!) geschafft.

Immer öfter kommen noch vor dem Morgengrauen Böen von bis zu 8 Beaufort vor und der Skipper nimmt mit Olli s und Thomas Hilfe das Groß völlig weg. Und wie immer, wenn mann mal ausnahmesweise schlampert... Aufgrund des hohen Wellengangs (manche sprechen von bis zu 6 m) hatte der Skipper keine Lust die Lazyjacktasche vom Groß vollständig zu schließen und später wird das Groß von einer heftigen Boe aufgestellt, so dass rund 10 qm mehr Segelfläche unsortiert am Mast stehen. Also wieder eingepickt nach vorn an den Mast und das Segel diesmal richtig geborgen und festgezurrt.

Der Wind bleibt bis Mittags stabil bei 6-7 Beaufort und auch die Wellen bei 3-4 m. Thomas hat Migräne, Olli fragt öfter mal nach den Sicherheitsreserven der Yacht und bleibt weitgehend unter Deck und Klaus meint locker, genau so hätte er sich den Biscaya-Segeltörn vorgestellt.

Die Wettervorhersagen bleiben bei NE 4-6 und wir erleben weiter zunehmende Winde, sodass wir um 1600 selbst die Genua reffen - zwei Stunden später beruhigt sich der Wind und wir reffen wieder aus. Olli schaut wieder zuversichtlicher in die See - wenn nur dieser Seegang nicht wäre.

WIr werden Nordspanien wesentlich früher als geplant erreichen - wohl in der Nacht noch weit vor dem Morgengrauen. Bei diesem Seegang und mit schlechten Sichtverhältnissen will der Skipper Laredo nicht anlaufen undwählt nach Beratung mit der Crew Bilbao als jederzeit anlaufbaren Hafen aus.

Morgens um 0500 machen wir längsseits am Steg C im Yachthafen Bilbao Getxo fest - 332 sm in insgesamt 45 Stunden -, trinken unseren Anleger, sind stolz auf unsere Leistung und gehen erstmal schlafen.


28.08.2007 
Lat 46° 45,706' N      Lon 003° 07,526' W
Mitsegeln in der Biskaya - einfach schön!
Die Wetterdienste versprechen ideale Bedingungen für einen Segeltörn mit raumen Kursen in der Biskaya: der DWD spricht von NE 4-5, strichweise 6, vereinzelt Gewitterböen; die Franzosen meinen per NAVTEX NE 5-6 Gewitter, See wenig bewegt bis bewegt. Windfinder.com meint für unseren Reiseverlauf ebenfalls NE-N 4-6 (so auch Meteo.com) - allerdings für Mittwoch in der Zeit von 0800 - 1100 könnte es in der Region 20-40 sm westlich der Verbindungslinie der Inseln Belle Ile und Ile de Yeu in der gesamten Breite der Biskaya und nördlich bzw. südlich begrenzt durch die Breitengrade der genannten Inseln zu Winden im Bereich von 30-35 Knoten kommen.

Wir laufen so aus, dass wir den Gezeitenwirbelströmen bei der Insel Ile de Seine entkommen und uns die Gezeitenströme plangemäß mit bis zu 3 Knoten beschleunigen. Den Kurs stecken wir so ab, dass wir das nur von Windfinder.com prognostizierte Sturmgebiet zur geplanten Zeit schon längst passiert haben werden - schätzungsweise spätestens gegen 0400, also mind. 4 Stunden vorher.

Mit NE-lichen Winden um 4-5 Beaufort und gemäßigter achterlicher Welle kommen wir mit bis zu 9,5 Knoten gut auf SE-lichen Kursen voran - schönstes Segeln in der Biskaya im Sonnenschein...

Alle gehen im Stundenwechsel Ruder - Steffi ist am ausdauernsten und sichersten, doch auch Klaus und Olli zeigten viel Gefühl am Ruder beim Segeln in der rauheren Biskaya.

Gegen 1700 und 1900 werden wir neuerlich von Delphinen begleitet - ist das Spaß!

Um 2020 haben wir nach rund 12 Stunden schon 94 sm über Grund (gemessen vom GPS) gut gemacht (die Logge ist kurz nach dem Auslaufen wieder mal ausgefallen...) und segeln noch rund 3 Stunden weiter mit SE Kurs, dann haben wir schon Ile de Yeu erreicht (5 Stunden vor der Sollzeit) und fallen plangemäß auf Südkurs ab. Wg. des auf 5-6 Bft. zunehmenden Windes reffen wir für die Nacht das Groß auf Reff 2.

Ein wunderschöner Sonnenuntergang in der Biskaya und wieder Wachwechsel im gewohnten Maß. Später bedecken Wolken den Nachthimmel.


27.08.2007 
Lat 48° 16,746' N      Lon 004° 35,310' W
Ruhetag beim Überführungstörn
Schön lang ausgeschlafen und einen Tag Pause beim Überführungstörn haben - und das bei Sonne und annehmbaren Temperaturen. Wir sind weit gekommen und brauchen nur noch 2 bis max. 2,5 Tage bis Laredo, also könnenn wir es uns leisten, auf die geeignete Wetterphase zu warten und uns von den bisherigen Anstrengungen dieses Überführungstörns erholen. Diese erste Etappe zu den Kanarischen Inseln ist die ausgesprochen längste und mit Englischen Kanal nebst Biskaya auch die anspruchsvollste. Bei künftigen Überführungstörns hat der Skipper schon viel mehr Zeit als bei diesem Törn eingeplant - und sowieso viel länger bei anderen Charterfirmen üblich.

Die Crew entspannt beim Bummeln in der Stadt, Steffi wäscht auch in der Hafenwäscherei Wäsche, die running Gags bis zu -darauf g...- kommen wieder auf. Nachmittags dann die Yacht zum Diesel Bunkern verholt, ein bißchen Hafenklönschnack, dann auf zum neuen Liegeplatz mit deutlich weniger Schwell und die große Genua abgeschlagen und die 105-prozentige Genua angeschlagen, Wasser gebunkert.

Olli und Klaus wollen nochmal ins französische Restaurant - Kostenrechnung hin oder her - und auch der Skipper schließt sich an. Thomas II und Steffi nutzen die Bordmöglichkeiten und machen sich mit einer Cockpitreinigung ums Allgemeinwohl verdient.


26.08.2007 
Lat 48° 16,746' N      Lon 004° 35,310' W
Gezeitensegeln vor der Bretagne
In der Nacht kommt bei der Annäherung an das letzte große Verkehrstrennungsgebiet im Englischen Kanal Dünung auf - 1 bis 2 m. Woher bloß, wir haben keinen bzw. kaum Wind. Um Mitternacht haben Steffi und Olli das VTG an backbord passiert und müssen 8 fischenden Fahrzeugen bzw. Trawlern ausweichen. Radar und AIS helfen zwar, doch die fischenden Fahrzeuge haben Festbeleuchtung, so sind die Lichter schwer auszumachen. Darüber hinaus besteht der Verdacht auf Schleppnetze und unsere Kursänderungen bestätigen die Fischer mit weiteren Richtungsänderungen, die weitere Kursänderungen unsererseits auslösen. Kaum ist das Fischer-Theater vorbei, werden die beiden mit springenden Delphinen entschädigt! Sie sollen ganz dicht (ca. 0,5-1 m) neben der Yacht bis zur Relingshöhe gesprungen sein.

Der Skipper ist am Morgen ein bißchen neidisch, als er vom nächtlichen Schauspiel erfährt ...

Die Wetterdienste verkünden neben Biskaya-Sturm für uns nordöstliche Winde 3, etwas zunehmend, strichweise diesig, See 1 m. Die nächtlichen Segelversuche mussten mangels hinreichendem Wind immer abgerochen werden - die längste Segelphase hatte der Skipper in seiner Alleinwache von über einer Stunde.

Motorgeräusch, bedeckter Himmel, anhaltender Schlafmangel, Kostenrechnung, die rollende Yacht in der Dünung, wenig Wind lassen langsam ein gewisses Reizklima durchscheinen, das aufklart, als wir nachmittags doch endlich wieder Segel setzen können. Später segeln wir durch den Kanal du Four und können gut den Gezeitenstrom nutzen - er bringt uns bis zu über 4 Knoten Fahrt über Grund zusätzlich.

Um 2000 machen wir längsseits an der Außenmole in Camaret sur Mer fest. Im Anschluß ein drei-Gänge-Menü im französischen Restaurant belebt die Lebensgeister und der Skipper beschließt, die Crew soll morgen erstmal lang ausschlafen...


25.08.2007 
Lat 49° 59,673' N      Lon 003° 07,222' W
Schöne Küste Südenglands prägt den Tag
Schon gestern fanden wir die Kreidefelsen der südenglischen Küste faszinierend und sehr schön anzusehen. Dann wieder eine sternenklare Nacht mit Mondschein und Romantik pur ...

Schon vor dem Morgengrauen kam aber schon Dunst auf, der von den Wetterdiensten um 0500 UTC bestätigt wurde: Neben Küstennebelfeldern und strichweise diesig soll es schwachwindig sein mit einer See von 0,5 m. So passieren wir die Isle of Wight im Morgendunst und die Sonne kommt zunächst nur schemenhaft durch.

In der Nacht weckte Klaus den Skipper, weil Solent Coast Guard für eine 43-Fuß-Yacht benötigte. Unsere angebotene Hilfe lehnten sie dann aber aufgrund der zu großen Entfernung zwischen unserer Position und der Unglücksposition ab und schickten einen Rettungskreuzer. Der Skipper blieb dann bis zu seiner eigenen Wache gleich wach und genaß das für ihn typische englische Schauspiel des Morgengrauens.

Je höher die Sonne stieg, desto mehr klarte es auf. Mangels Wind motoren wir und müssen uns Gedanken um die Auffrischung unserer Dieselbestände machen. Normalerweise müsste der Diesel bis Plymouth oder Falmouth reichen, aber es könnte knapp werden. Also rein in den Reeds und das deutsche Hafenhandbuch Englischer Kanal - Pool wird der glückliche Gewinner... Zwischendurch kommen Meldungen über Sturmtage in der Biskaya und deshalb die Überlegung auf, statt nach Falmouth gleich an die Nordwestspitze Frankreichs zu laufen und von dort dann nur noch 300 sm statt 400 sm bis Laredo zu haben.

Aber zuerst Pool und auf zum Bunkern am späten Vormittag. In der Nähe wurde über UKW ein Yachtrennen anekündigt und scheinbar läuft halb Pool aus, um von See aus zu zu schauen. Das Wasser brodelt vor lauter Motoryachten im ansonsten spiegelglatten Wasser des englischen Kanals. Beim Einlaufen in Pool kommt ein wenig Wind auf und wir müssen am Bunker-Ponton erstmal Schlange stehen. Beim Bunkern selbst fällt die Dieselpumpe aus und wir müssen nur 90 l der erhaltenen 98 l bezahlen - außerdem sehr günstig hier. Strahlende Gesichter in der Crew - auch über den Landkontakt - aufkommender Wind, der zum Segeln reicht, Kostenrechungen von Thomas II, der sich ansonsten als Stimmungsmacher betätigt.

Am Abend dann die Entscheidung für Camaret sur Mer statt Brest oder Falmouth oder Plymouth - auch wenn es weitere Motorstunden kosten sollte... Und immer wieder Olli, der sich als Smutje und Organisator unter Deck hervortut. Steffi und Klaus, die eine hervorragende Karten- und Gezeitenarbeit leisten und dem Skipper so die Arbeit erleichtern.

Insgesamt ein weiterer schöner Tag auf See - abgesehen vom Schlafmangel für die Crew. Mit einem tollen Himmelsschauspiel geht es in die dritte Nacht.


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